Abgeschickt von Christina Ghiasvand am 23 August, 2008 um 23:37:08:
Antwort auf: Re: Poecilia latipinna von Daniel F. am 14 August, 2008 um 21:38:53:
Hallo Daniel!
ZU 1:
In den verschiedenen Vorkomnissen sind die Gewässer von unterschiedlichen Bergarten umgeben. Die Mineralien lösen sich im Wasser und ergeben eine ganz spezifische Zusammenstellung der Ionen im Wasser. Manchmal ist die Anpassung der Tiere sehr weit gegangen, und eine Haltung im Aquarium ist sehr schwierig. Bei Lebendgebärende Arten kommt das öfter vor. Wir wissen auch nicht immer, was genau vom Wasser verlangt wird. Wenn dazu noch die Haltung aus wenigen, teuer ergatterten Exemplaren besteht, kann einem die Population bald ausgehen. Die wenigsten kommen mit einer Tüte mit 20 Tieren nach der Fischauktion nachhause. Wenn dann endlich die Nachkommenschaft kommt, gibt mann sie nicht so gleich weiter, was günstig wäre, denn ein Anderer hat vielleicht die Verhältnisse, die optimal für diesen Fisch sind! So kann man dann später auch keine Tiere zum Rückkreuzen nachbekommen. Pech. Und so oft werden die Tiere auch nicht importiert.
Zu 2:
Die Poeciliiden sind mal in Brackwasser gesichtet und gefangen worden, was noch lange nicht bedeutet, das es sich um Brackwasserfische handelt. Einzige Ausnahme dabei sind solche, die in hypersaline Seen leben. Dort handelt es sich um Tiere, die in einst süsswasserhaltige Seen lebten, und die nach langer Zeit eine langsame Anpassung zu dem ansteigenden Salzgehalt durchgemacht haben. Es kann sich z.B. um Klimatzonen handeln, wo die Abdunstung höher als die Regenzunahme ist. Der See kann mitsamt Einwohner plötzlich abgeschnitten werden. Aber es sind immernoch Süsswasserfische, die sich den gegebenen Verhältnissen extrem angepasst haben.
Die meisten Fische regieren negativ auf osmotischen Schwankungen, wenn die Veränderung zu schnell geht, und insbesondere wenns zu schnell nach UNTEN geht. Das kann sicher zu den Haltungsproblemen bestimmter Arten von Lebendgebärende beitragen. Vielmals handelt es sich um Tiere, die bei irgendwelchen Wissenschaftsexpeditionen gefangen wurden. Im Aquarium sind die gleichen Umweltbedingungen nur auf uns bekannte Faktoren nachzuahmen. Es besteht dann auch immer das Risiko, dass es einige Generationen dauert bis sich die Fische der neuen Heimat angepasst haben.
Die höchste Salztoleranz, die man sich bei solchen Arten erwarten kann, ligt bei 15-20 promille, selten höher. So angepasste Fische kann man manchmal in küstennahe Brachwasserzonen von Flüssen oder auch etwas weiter im Meer finden. Das heisst aber bei weitem nicht, das es reine Brackwasserfische sind, oder das sie diesen Salzgehalt bevorzugen! Sie haben sich nur angepasst. Viele Mollies und einige Gambusien können die oben genannten Salzgehalte tolerieren.
Viel Glück beim Weitersuchen!
MfG
Christina G