Linienkärpflinge und Vieraugen
Wer hat nicht bereits einmal in öffentlichen Schauaquarien fasziniert an der Wasseroberfläche auf Beute lauernde Vieraugenfische beobachtet? Auch in der DGLZ gibt es Aquarianer, die sich der Faszination dieser Tiere nicht entziehen können und sie in großen Aquarien pflegen. Im Handel dagegen sind diese Fische eher selten zu finden.
Die Familie Anablepidae besteht derzeit aus 17 Arten und drei Gattungen. Die Gattung Anableps beinhaltet die drei bekannten Arten der Vieraugenfische, Jenynsia enthält 13 Arten und die Gattung Oxyzygonectes ist monophyletisch, d.h. sie enthält nur eine Art. Oxyzygonectes dovii ist ein im Brackwasser lebender, eierlegenden Fisch, der mit 35 cm Körperlänge die Möglichkeiten der meisten Aquarianer übersteigt und auch in der DGLZ wohl nicht gepflegt wird.
Die Gattung Jenynsia - Linienkärpflinge
Die südamerikanischen Linienkärpflinge werden selten importiert, einige Arten werden jedoch in der DGLZ gepflegt. Jenynsia gelten zuweilen als zänkisch, eine Haltung im ungeheizten Aquarium mit einer Kantenlänge von einem Meter ist jedoch gut möglich. Ebenso wie bei vielen anderen Fischarten erhöht eine tages- und jahreszeitliche Temperaturschwankung das Wohlbefinden der Tiere. Einige Halter empfehlen eine Senkung der Haltungstemperatur in den Wintermonaten bis auf 15°C. Jenynsia sind Allesfresser und im Aquarium problemlos zu ernähren.
Die Gattung Anableps - Vieraugenfische
Vieraugenfische leben an der süd- und mittelamerikanischen Atlantikküste. In der Natur besiedeln die Tiere vorwiegend Brackwasserbereiche, doch kann man sie auch in reinem Meerwasser und Anableps anableps sowie Anableps dowei auch im Süßwasser der Flüsse finden. Sie sind Oberflächenbewohner, die gleichzeitig oberhalb und unterhalb des Wasserspiegels scharf sehen können. Ihre Augen sind durch eine horizontale Einschnürung geteilt: Die untere Hälfte des Auges registriert Reize unterhalb der Wasseroberfläche, die obere Hälfte ragt aus dem Wasser heraus und ermöglicht das Sehen oberhalb des Wassers. Durch nickende Kopfbewegungen befeuchten die Fische regelmäßig ihre aus dem Wasser herausragenden oberen Augenhälften.
Vieraugenfische besizen ein unterständiges Maul, mit dem sie ihre Nahrung vorwiegend vom wenige Zentimeter unterhalb der Wasseroberfläche liegenden Untergrund aufnehmen. Dabei weiden sie den Algenbewuchs vom Untergrund ab und kauen Schlamm auf der Suche nach verwertbaren Nahrungspartikeln durch. Anableps sind Allesfresser, in der Natur besteht ein weiterer Bestandteil der Nahrung aus ertrunkenen Insekten und oberflächennah lebenden Wassertieren. Erspäht ein Vieraugenfisch ein Beutetier in der Nähe der Wasseroberfläche, schnellt er plötzlich aus dem Wasser und erbeutet sein Opfer.
Für eine dauerhaft erfolgreiche Haltung und Zucht ist eine abwechslungsreiche Fütterung erforderlich. Durch eine starke Beleuchtung der Aquarien sollte das Algenwachstum in Oberflächennähe gefördert werden. In das Wasser hinein ragende Gegenstände wie Wurzeln erhöhen die Besiedelungsfläche für Algen. Zudem sollte Lebendfutter wie Wiesenplankton, Mückenlarven und Würmer sowie Fisch- und Krabbenfleisch gereicht werden.
Vieraugenfische werden recht groß, die Männchen erreichen eine Länge von über 20 cm, die Weibchen überragen die Männchen noch um weitere 10 cm. Die Haltung der Tiere ist daher nur in Aquarien mit einer sehr großen Wasseroberfläche (ab ca. 1,5 m²) zu empfehlen, die Wassertiefe hingegen ist eher unwichtig. Da sich Vieraugenfische einer vermeintlichen Bedrohung in der Regel durch Sprünge über die Wasseroberfläche entziehen, sollte zwischen Wasseroberfläche und Deckscheibe ausreichend Platz vorhanden sein, damit die Tiere nicht bei einem plötzlichen herausschnellen aus dem Wasser mit voller Wucht gegen die Scheibe knallen. Vieraugenfische bringen etwa fünf Zentimeter lange lebende Jungfische zur Welt.
Obwohl die natürliche Heimat der Fische vorwiegend in Brackwasserzonen liegt, ist ein Seesalzzusatz zum Aquarienwasser bei Anableps anableps und A. dowei jedoch nicht erforderlich. Beide Arten können problemlos in hartem Leitungswasser mit einem ph-Wert über 7 gepflegt werden. Weiches Wasser kann durch Kalziumsulfat (Gips, erhöht die GH) oder Natriumhydrogencarbonat (Kaiser Natron, erhöht die KH) aufgehärtet werden.
Vieraugen und Linienkärpflinge sind interessante Tiere, deren Biologie und Verhalten in weiten Teilen noch unerforscht ist. Wir Aquarianer können dazu beitragen, den Kenntnisstand über diese Tiere zu verbessern und einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen.
Markus Heußen (Text) und Andreas Werth (Fotos)



